Intelligenz

So lange sich die Menschen mit dem Thema Intelligenz auseinandersetzen, so lange existiert bereits das Ringen um eine eindeutige, wirklich treffende Definition dieses Begriffes. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich dabei um die Fähigkeit, Aufgaben schnell und effektiv zu lösen und sich in ungewohnten Situationen schnell zurechtzufinden. Aber schon die Psychologie widerspricht dieser sehr allgemeinen Umschreibung: Dort bezeichnet man mit dem Begriff Intelligenz ganz allgemein die Gesamtheit der kognitiven Fähigkeiten von Menschen - die Definition ist also deutlich weiter gefasst.

Das Problem bei der Festlegung auf eine verbindliche Definition sind u.a. die unterschiedlichen Intelligenzmodelle, mit denen in der Wissenschaft nach wie vor gearbeitet wird. So gehen die einen beispielsweise davon aus, dass es nur eine Intelligenz in unterschiedlichen Ausprägungen gibt - die anderen unterstellen eine Vielzahl von Intelligenzen, die unabhängig voneinander existieren.

Eine diffuse Vorstellung von Intelligenz hat wohl jeder: Oftmals bringen wir den Begriff mit logischem Denken, ausgeprägten mathematischen Fähigkeiten und einem sehr guten Abstraktionsvermögen in Zusammenhang. Wie intelligent wir tatsächlich sind, besagt unser Intelligenzquotient (IQ), der je nach zugrunde liegender Theorie auf unterschiedlichen Wegen berechnet werden kann. Um unseren IQ herauszufinden, nutzen wir Intelligenztests, wenngleich längst nicht alle zuverlässig Auskunft über die Höhe unseres IQ geben.

Es gibt mehrere Intelligenzarten und Intelligenz kann nach mehreren Arten unterschieden werden. Damit ist allerdings nicht die Ausprägung von Intelligenz gemeint, sondern vielmehr die Unterscheidung zwischen menschlicher, tierischer und künstlicher Intelligenz.

Wie bereits eingangs dargestellt existiert kein allgemeingültiger Intelligenzbegriff. Vielmehr kennt die Psychologie und Geisteswissenschaft im Allgemeinen gleich mehrere Definitionen von Intelligenz, die aus unterschiedlichen Intelligenztheorien resultieren. Interessant sind diese Theorien vor allem deshalb, weil auf ihnen aufbauend im Laufe der Jahrzehnte Intelligenztests entwickelt und weiterentwickelt worden sind, die bis heute Anwendung finden.

Ist von Intelligenz die Rede, assoziieren die meisten Menschen damit logisch-mathematische Intelligenz, die relativ leicht mithilfe mathematischer Problemstellungen ermittelt werden kann. Seit einigen Jahren fällt jedoch auch immer wieder das Stichwort emotionale Intelligenz. Was aber hat es damit auf sich? Ist emotionale Intelligenz tatsächlich eine Form der Intelligenz? Und gibt es daneben noch weitere Formen?

Antwort darauf gibt insbesondere die Theorie der multiplen Intelligenzen nach Gardner. Sie unterscheidet im Endeffekt neun Intelligenzbereiche bzw. Intelligenzformen, die Gardner zufolge weitgehend unabhängig voneinander existieren. Seine Theorie war die erste, die nichtklassischen Intelligenzbereichen, die bislang eher unbemerkt geblieben waren, eine gewisse Bedeutung bei der Bestimmung von Intelligenz beimaß. Neben dem, was später als emotionale Intelligenz bekannt werden sollte, zählen u.a. auch sprachliche oder musikalische Intelligenz dazu.

Der Begriff Intelligenzquotient stammt noch aus den frühen Jahren der Intelligenzforschung, scheint heute aber so aktuell wie nie. In unserer Wissensgesellschaft nimmt der IQ einen besonderen Stellenwert ein. Er ist zuweilen Gradmesser für vergangene und künftige Erfolge, Eintrittskarte zu elitären Kreisen oder Kenngröße zur Einschätzung menschlichen Werts. Eine Kenngröße ist der Intelligenzquotient in der Wissenschaft tatsächlich - allerdings lediglich zur Bewertung der allgemeinen intellektuellen Leistungsfähigkeit von Menschen in Korrelation zu ihrem Alter und sozialen Umfeld.

Die Ermittlung des IQ kann auf ganz unterschiedliche Weise erfolgen. Je nach Art des Intelligenztests können dabei sehr unterschiedliche IQ-Werte entstehen. Wie hoch damit die Aussagekraft des IQ zu bewerten ist, was es mit der IQ-Skala auf sich hat und wie der Intelligenzquotient eigentlich ermittelt wird, das erfahren Sie in den folgenden Abschnitten.

Anwendung von Intelligenztests

Für Intelligenztests gibt es zahlreiche Anwendungsfelder. Nicht nur Erwachsene sondern auch Kinder können an Intelligenztests teilnehmen. Für Kinder kann die Teilnahme sogar besonders förderlich sein: Wird zum Beispiel eine Hochbegabung durch einen Intelligenztest erkannt, kann das Kind gezielter gefördert werden. Hier gilt: Je eher eine Hochbegabung festgestellt wird (zum Beispiel im Schul- oder Vorschulalter), desto besser können die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Wenn es darum geht, Hochbegabung zu erkennen, sollten wissenschaftlich fundierte Intelligenztests durchgeführt werden.

Beliebt ist die Durchführung von Intelligenztests zudem im Zusammenhang mit Einstellungs- und Eignungstest. Hier muss allerdings nicht immer eine wissenschaftliche Ausrichtung gegeben sein. Zumeist geht es eher darum, grundsätzliche Fähigkeiten des Bewerbers zu testen und zu bewerten. Intelligenztests können hier auch ein Teil größer angelegter Einstellungs- und Eignungstest sein, bei denen dann u.a. auch Wissenstests eine Rolle spielen.

Während Intelligenztests in der Regel gut eingesetzt werden können, um Hochbegabten zu helfen, gibt es auch sehr umstrittene mögliche Einsatzgebiete von Intelligenztests. Hierzu zählt insbesondere der Einsatz von Intelligenztests im Strafrecht sowie im Rahmen der Einwanderungssteuerung. In ersterem Gebiet werden mitunter IQ-Tests durchgeführt, um geistige Behinderungen erkennen und im Täterprofil berücksichtigen zu können. Bei der Einwanderungssteuerung könnten IQ-Tests dazu dienen, eine qualifizierte Einwanderung zu erreichen, was allerdings immer auch eine diskriminierende Dimension aufweisen kann.

Intelligenzunterschiede und ihre Ursachen

In der Forschung und Medizin ist man sich mittlerweile auf breiter Basis einig, dass Vererbung bei der Entwicklung der Intelligenz eine ebenso große Rolle spielt wie postnatale bzw. Umwelteinflüsse. Die Varianten der Einflussmöglichkeiten auf die Intelligenz sind vielfältig und so wundert es kaum, dass sich im Laufe eines Lebens deutliche Intelligenzunterschiede zwischen verschiedenen Individuen herauskristallisieren - zwischen Geschlechtern ebenso wie innerhalb einer Familie oder einer anderen Gruppe. Aber welche Faktoren beeinflussen Intelligenz eigentlich? Und können wir diese Faktoren beeinflussen?

Eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Intelligenz spielt - zumindest für einen Teil der Forscher - die genetische Anlage: überdurchschnittlich intelligente Eltern bringen überdurchschnittlich intelligente Kinder zur Welt und umgekehrt. Ganz so einfach ist diese Annahme statistisch aber gar nicht zu beweisen: Bisherige Studien gehen von 20 bis 70 Prozent genetischer Veranlagung in Fragen der Intelligenz aus. Es müssen also noch andere Faktoren eine wichtige Rolle bei der Ausprägung von Intelligenz spielen. Die meisten Studien machen dafür postnatale Prägung und Umwelteinflüsse aus. Demnach haben beispielsweise auch die soziale Schicht und die Erziehung Einfluss auf die Höhe des IQ. Bisherige Studien ergaben: Kinder aus ärmlichen Verhältnissen und instabilen Familien, in denen sie vernachlässigt werden, sind oft weniger intelligent als Kinder aus „geordneten“ Verhältnissen in einem stabilen sozialen Umfeld. Erwiesen ist mittlerweile übrigens auch ein Zusammenhang zwischen dem Wachstumshormon IGF-1 und Intelligenz. Je höher die Konzentration des Hormons, desto höher die Intelligenz und je älter die Mutter, desto höher der IGF-1-Spiegel. Dennoch kann nicht dazu geraten werden, erst in späteren Jahren Nachwuchs in die Welt zu setzen, damit dieser intelligenter wird. Zum einen, weil die Schwangerschaftsrisiken mit höherem Alter der Mutter zunehmen - zum anderen weil das Hormon auch mit Krebserkrankungen und Schizophrenie in Verbindung gebracht wird.

Intelligenzunterschiede gibt es aber z.B. nicht nur zwischen Kindern aus eher stabilen und instabilen Verhältnissen, sondern auch innerhalb von Familien und Regionen. Erwiesen ist z.B., dass in den Industrieländern bis in die 1990er Jahre die Kinder immer intelligenter waren als ihre Eltern. Diesen Effekt führen Forscher auf verbesserte allgemeine Bedingungen wie etwa Bildung oder Ernährung zurück. Stark umstritten ist jedoch nach wie vor die Frage, ob es Intelligenz-Unterschiede zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft gibt. Erschwert wird die (wertneutrale) Diskussion durch immer wieder aufkeimende Rassismus-Vorwürfe, die in diesem Zusammenhang laut werden.