Intelligenzformen - Welche Formen der Intelligenz gibt es ?

Hier finden Sie eine übersicht über die unterschiedlichen Intelligenzformen bzw. Intelligenzbereiche, basierend auf der Theorie der multiplen Intelligenzen nach Gardner, die eine Unterscheidung von neun Intelligenzformen ermöglichst. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie mehr über die verschiedenen Formen und Bereiche der Intelligenz und wie man sie bei Kindern erkennen kann.

Emotionale Intelligenz / Interpersonale Intelligenz

Seitdem der Begriff der Emotionalen Intelligenz in den philosophischen Diskurs eingebracht wurde, streitet die Fachwelt über eine angemessene Definition. Einige Autoren sehen sie als Gegensatz zum klassischen Intelligenzbegriff, andere als Erweiterung der klassischen Vorstellung. Emotionale Intelligenz zeichnet sich durch eine Vielzahl an Fähigkeiten aus, etwa das Erkennen eigener Emotionen, Empathie oder die Fähigkeit, eigene Emotionen zu beeinflussen. Genau genommen geht die Bezeichnung auf Mayer/Salovey zurück, die sie auf Basis der Gardnerschen Theorie eingeführt haben. Sie definieren die Emotionale Intelligenz als Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen.

Gardner dagegen spricht nicht von der Emotionalen Intelligenz sondern (u.a.) von der Interpersonellen Intelligenz. Sie kann auch als Soziale Intelligenz umschrieben werden und bezeichnet die Fähigkeit, psychische Zustände wie beispielsweise Stimmungen oder Gefühle bei anderen Menschen wahrzunehmen und das eigene Verhalten dementsprechend anzupassen.

Interpersonelle Intelligenz ist immer dann gefragt, wenn es darum geht, sensibel für Emotionen Anderer zu sein und sie im besten Fall für sich bzw. zum Wohl der Anderen zu lenken. Kinder, die in besonderem Maße über interpersonelle Intelligenz verfügen, können bereits in jungen Jahren gut zuhören und andere Menschen einschätzen. Sie haben ein Gespür für den richtigen Ton in Gesprächen, wirken oftmals vermittelnd und übernehmen ganz selbstverständlich Führungsaufgaben.

Existenzielle Intelligenz

Der Begriff der Existenziellen Intelligenz war von Gardner ursprünglich gar nicht als eine Form der Intelligenz identifiziert worden. Erst nachträglich entschied sich der Philosoph, diese Form der Intelligenz als eigenständig in Betracht zu ziehen. Noch handelt es sich bei der Existenziellen Intelligenz eher um eine These: Es fehlen weitreichende Belege dafür, dass es sich um eine eigene Form der Intelligenz handelt.

Existenzielle Intelligenz könnte man auch mit spiritueller Intelligenz umschreiben. Wie der Name schon vermuten lässt, geht es dabei um das Erfassen und Reflektieren grundlegender Fragen der Existenz. Von besonderer Bedeutung ist die Existenzielle Intelligenz beispielsweise für Philosophen oder geistige Führer wie der Dalai Lama. Kinder, bei denen diese (mutmaßliche) Form der Intelligenz besonders stark ausgeprägt ist, verfügen bereits in jungen Jahren über eine hohe intuitive Wahrnehmung. Sie interessieren sich häufig für religiöse Fragen und irrationale Theorien, beschäftigen sich mit sogenannten Pseudowissenschaften, kurz: Sie sind kleine Philosophen, die so manchen Erwachsenen mit ihren Gedankengängen in Erstaunen versetzen können.

Intrapersonale Intelligenz

Um die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt treffen zu können, benötigen wir die sogenannte Intrapersonale Intelligenz. Sie verleiht uns die Fähigkeit, unsere eigenen Stimmungen und Gefühle, Stärken und Schwächen, Motive und psychischen Zustände nicht nur zu erkennen und zu verstehen sondern sie auch zu ändern. Gardner zufolge sind sich Personen mit hoher Intrapersonaler Intelligenz in besonderem Maße über ihre Persönlichkeit bewusst. Sie kennen sich psychisch genau und wissen daher auch ganz genau, wie sie ihre eigenen Verhaltensweisen in jeder Situation anpassen können. Ihre genaue Kenntnis ihrer Reaktionen und Emotionen beruht auf einem hohen Grad an Selbsterkenntnis - und genau die ist es, die sie in den richtigen Momenten die richtigen Entscheidungen treffen lässt.

Kinder mit hoher Intrapersonaler Intelligenz denken schon früh über Beziehungen nach. Sie stellen viele Warum-Fragen, bilden sich gern eine eigene Meinung und vertreten in der Regel hohe ethisch-moralische Ansprüche. Viele Kinder mit hoher Intrapersonaler Intelligenz wirken eher introvertiert und legen Wert auf Zeit für sich. Auch in jungen Jahren sind sie sich schon erstaunlich genau über ihre Stärken, Schwächen, Emotionen und Antriebe bewusst.

Körperlich-kinästhetische Intelligenz

Menschen mit perfekter Körperbeherrschung faszinieren uns mit ihrer Koordinationsfähigkeit und Kontrolle selbst in extremen Situationen. Sie verfügen über ein hohes Maß der sogenannten körperlich-kinästhetischen Intelligenz. Damit verfügen sie über das hohe Potenzial, ihren Körper oder einzelne Körperteile dazu einzusetzen, um Probleme zu lösen oder ganz allgemein zu gestalten. Erfolgreiche Schauspieler, Athleten oder Tänzer verfügen beispielsweise über ein hohes Maß an körperlich-kinästhetischer Intelligenz. Dasselbe gilt übrigens auch für Chirurgen, (Kunst-)Handwerker oder Mechaniker: Diese Form von Intelligenz versetzt uns auch in die Lage, geschickt mit noch so kleinen Gegenständen zu hantieren.

Kinder mit ausgeprägter körperlich-kinästhetischer Intelligenz haben Freude an Bewegung, Sport und Spiel. Sie sind sehr aktiv, verinnerlichen neue Bewegungsabläufe wie z.B. Choreografien sehr schnell und verfügen häufig bereits im Kinderalter über eine ausgeprägte Mimik und Gestik. Ihre Hand-Auge-Koordination ist sehr gut, ebenso ihre Grob- und Feinmotorik. Oftmals haben körperlich-kinästhetisch Begabte auch ein hohes Körperbewusstsein und beginnen vergleichsweise früh damit, ihren Körper zu perfektionieren.

Logisch-mathematische Intelligenz

Fällt das Stichwort Intelligenz, denken die meisten Menschen fast automatisch an diese Form. Die logisch-mathematische Intelligenz befähigt uns dazu, Problemstellungen logisch zu analysieren, zu abstrahieren und Prinzipien oder Gesetzmäßigkeiten hinter bestimmten Abläufen oder Darstellungen zu erkennen. Aufgrund unserer logisch-mathematischen Intelligenz sind wir in der Lage, mathematische Operationen durchzuführen oder wissenschaftliche Fragen zu stellen (und zu beantworten). Unser Alltag ist deutlich durch Logik, Wissenschaft und Mathematik geprägt – logisch-mathematische Intelligenz wird daher ein besonders hoher Stellenwert eingeräumt.

Kinder mit besonders ausgeprägter logisch-mathematischer Intelligenz werden oftmals als besonders intelligent wahrgenommen: Sie erkennen Zusammenhänge, suchen nach eigenen Lösungswegen für Probleme und finden Gefallen an Diagrammen und Schemata. Sie sind in der Lage, Regeln und Prinzipien – nicht nur mathematischer Natur – schnell zu durchschauen. Darüber hinaus legen sie bereits in jungen Jahren eine erstaunliche Logik in ihrer Argumentation an den Tag. Formeln, Abstraktionen und Organisation stellen kaum Herausforderungen für logisch-mathematisch Begabte dar.

Musikalische Intelligenz

Menschen mit ausgeprägter musikalisch-rhythmischer Intelligenz bezeichnen wir gern als Musik-Genies. Sie zeichnet eine besondere Begabung zum Musizieren aus. Kompositionen und musikalische Aufführungen gehen ihnen leicht von der Hand. Ein besonderes Gespür haben sie für musikalische Prinzipien, Intonation, Rhythmik und Klang. übrigens: Musikalisch-rhythmische Intelligenz geht häufig (aber nicht immer) mit logisch-mathematischer Intelligenz einher.

Der Lebensweg von Kindern mit einer hohen Musikalisch-rhythmischen Intelligenz scheint vorgezeichnet: Schon als Baby und Kleinkind reagieren sie auf Musik im Besonderen und Klänge im Allgemeinen in besonderer Weise. Melodien und Rhythmen erkennen sie schnell, Musik begleitet ihren Alltag. Musizieren Kinder gern von selbst, setzen sie sich mit Melodien und Rhythmen selbstständig auseinander und fällt es ihnen leicht, Akzente und Dialekte nachzuahmen, könnte eine hohe musikalische Intelligenz vorliegen.

Naturalistische Intelligenz

Den Begriff der Naturalistischen Intelligenz könnte man auch mit der Fähigkeit umschreiben, auf sich allein gestellt in der Wildnis zu überleben. Mit dieser Form der Intelligenz fällt es Menschen relativ leicht, natürliche Objekte zu identifizieren und zu klassifizieren. Aus diesem Grund sind sie im Berufsleben auch oftmals unter Naturwissenschaftlern, Umweltspezialisten oder Abenteurern und Entdeckern zu finden.

Menschen, die über eine ausgeprägte Naturalistische Intelligenz verfügen, lieben und pflegen Tiere und Pflanzen. Schon früh interessieren sie sich für ihre Umwelt, die sie instinktiv und differenziert beobachten. Tendenziell halten sich Kinder mit hoher Naturalistischer Intelligenz gern im Freien auf. Sie interessieren sich für natürliche Abläufe und Kreisläufe ebenso wie für Naturschutz und Naturprodukte.

Räumliche Intelligenz

Raffael hatte sie, Pablo Picasso hatte sie und Leonardo da Vinci in jedem Fall: Bildlich-räumliche Intelligenz verleiht die Fähigkeit, sowohl in großen als auch in kleinen Räumen Strukturen exakt wahrzunehmen. Und nicht nur das: Ihre Wahrnehmung können derart Begabte transformieren und reproduzieren wann immer sie möchten. Ihre Räumliche Intelligenz versetzt sie in die Lage, visuell zu arbeiten und visuelle Reize zu verarbeiten - selbst wenn diese gar nicht immer vor Ort vorhanden sind. Eine hohe Bildlich-räumliche Intelligenz hilft Malern beim Erfassen und der Wiedergabe interessanter Strukturen, Bildhauern beim Erschaffen neuer Kunstwerke. Aber auch gute Seeleute und Piloten, Ingenieure und Grafiker besitzen eine ausgeprägte Räumliche Intelligenz.

Bei Kindern äußert sich eine hohe Bildlich-räumliche Intelligenz in Form eines guten räumlichen Vorstellungsvermögens und einer Vorliebe für Farben und Formen. Sie interessieren sich ganz selbstverständlich für Perspektive und Konstruktion, für Geometrie und Muster. Kinder mit hoher Räumlicher Intelligenz können sich sehr gut und schnell an fremden Orten orientieren. Oftmals verspüren sie den Wunsch, was sie sehen oder sich vorstellen in einem Modell oder einer Zeichnung sichtbar zu machen.

Sprachliche Intelligenz / linguistische Intelligenz

Herausragende Schriftsteller bezeichnen wir gerne als Wortakrobaten oder Literatur-Genies. Und liegen damit oftmals gar nicht so falsch: Viele sehr gute Autoren verfügen über eine hohe Sprachliche bzw. linguistische Intelligenz. Linguistisch Intelligente haben ein besonderes Gespür für das gesprochene und geschriebene Wort. Sie beherrschen die Sprache, lieben ihre Besonderheiten und nutzen sie, um Beobachtungen, Ideen oder Realitäten verbal darzustellen. Von hoher Sprachlicher Intelligenz zeugt übrigens auch die Fähigkeit, Fremdsprachen relativ schnell und leicht erlernen zu können.

Bei Kindern äußert sich eine hohe Sprachliche Intelligenz beispielsweise durch einen für ihr Alter ungewöhnlich großen Wortschatz und eine sehr gute Ausdrucksweise. Sie lesen und schreiben gerne und gut, das Erlernen von Fremdsprachen macht ihnen Spaß und fällt leicht.